Singapur

Singapur: UN-Mitgliedsstaat 34/193

Singapur und Monaco sind die einzigen Stadtstaaten, die den Souveränitäts-Status der Vereinten Nationen genießen. Eine Ausnahme bildet nur der Vatikan, der einen Sonderstatus bzw. den UN-Beobachtungsstatus trägt. Außerdem ist Singapur, rein von der Fläche, der kleinste Staat Südostasiens und von der Größe vergleichbar mit Hamburg. Er zählt ca. 5,5 Millionen Einwohner und jedes Jahr mehr als doppelt so viele Touristen. Des Weiteren gelten die Lebenshaltungskosten als eine der höchsten der Welt. Nur in Zürich (Schweiz), Hongkong (China) und in Luanda (Angola) ist es noch teurer den Lebensunterhalt zu finanzieren. (Stand 06/15)

Die im Vergleich zu anderen Ländern sehr geringe Landesfläche und die im Verhältnis dazu wachsende Bevölkerung, sowie der starke Touristenandrang, haben dazu geführt, dass die Landgewinnung eine enorm wichtige Rolle zur Weiterentwicklung Singapurs eingenommen hat. Das Erdmaterial wird aus den eigenen Bergen oder vom Meeresboden abgetragen und im angrenzenden Meer wieder aufgeschüttet. So konnte von 1960 bis heute die Landesfläche von 581,5 km² auf 710,2 km² erweitert werden. Bis 2030 sollen weitere 100 km² hinzukommen. Nur Japan investiert mehr in die Erweiterung der Landesfläche.

Geschichte Singapurs

In chinesischen Texten aus dem 3. Jahrhundert wird Singapur, zu dem Zeitpunkt unter dem Namen Temasek, das erste Mal erwähnt. Dort wird beschrieben, Temasek sei einst eine Handelsstadt mit steigender Bedeutung gewesen, habe diese im Laufe der Zeit jedoch wieder verloren. Weitere Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind (nach meiner Recherche) nicht erhalten geblieben. Die nächste Erwähnung findet im 7-8. Jahrhundert statt. Dort wird die erneute Besiedlung des Fürstentums Temasek (dt. Stadt am Meer) beschrieben. Wieder ist fast 5 Jahrhunderte nichts über die Entwicklung Singapurs überliefert bzw. bisher nicht bekannt. Im 14. Jahrhundert schließlich wird aus Temasek die Löwenstadt Singapur. Wie genau der heutige Stadtstaat zu dem Namen kam, ist umstritten und kann nicht einwandfrei nachgewiesen werden.

Version 1:
Der Legende nach begegnete ein hinduistischer Prinz auf seiner Flucht aus Sumatra im Dschungel Temaseks einem Löwen. Als er sein Schwert zog und kämpfen wollte, starte ihn der Löwe an. Sie sahen sich daraufhin eine Zeit lang in die Augen. Als der Prinz sein Schwert wieder senkte, zog sich der Löwe zurück. Der Prinz war von dem Erlebnis so beeindruckt, dass er dem Fürstentum Temasek den Namen Singapur, übersetzt Löwenstadt, gab. Der Grund für seine Flucht soll im Übrigen eine Heirat mit einer javanischen Prinzessin und die dadurch entstandenen politischen Spannungen zwischen dem Königreich Java (heute die größte Insel Indonesiens) und dem Königreich Sumatra (heute die sechstgrößte Insel Indonesiens) gewesen sein.

Version 2:
Den Bewohnern Temaseks erschien das Fabelwesen Merlion, bestehend aus Löwenkopf und Fischkörper. Von der Erscheinung waren Sie so beeindruckt, dass sie Temasek in Singapur umbenannten. Auch wenn es die abstruseste Version sein mag, so ist der Merlion seit 1964 das Wahrzeichen und zugleich Schutzpatron Singapurs.

Version 3:
In einer malaiischen Chronik wird angenommen, der König Sumatras habe vor Temasek Schiffbruch erlitten, sei dort gestrandet und dann diversen Löwen begegnet. Auch hier hinterließ das Erlebte bleibende Eindrücke und der König nannte die Insel fortan Singapura.

Wie schon erwähnt, geht aus den bekannten Aufzeichnungen nicht hervor, wie Singapur letztendlich zu seinem Namen kam. Fest steht nur, der Name Singapur setzt sich aus den altindischen Wörtern Singha (Löwe) und Pura (Stadt) zusammen.

Vor allem in den Jahren 1511 bis 1784 tobten in Asien erbitterte Kriege um Kolonien und Inseln zwischen Portugiesen, Niederländern, Franzosen und Briten. Singapur gehört in dieser Zeit zum Sultanat Johor, welches heute der südliche Bundesstaat Malaysias ist. Da der sehr geschickte Sultan zahlreiche Friedens- und Handelsabkommen mit zunächst Portugal, dann den Niederlanden, Frankreich und den Briten schloss, blieb Singapur in dieser Zeit von kriegerischen Handlungen verschont.

Am 29. Januar 1819 betrat Sir Thomas Stamford Raffles das erste Mal die Insel Singapur. Als Gouverneur der East India Company hatte er den Auftrag für das British Empire dort einen neuen, strategisch wichtigen und sicheren Hafen zu errichten. Durch klug geführte Verhandlungen, mit den Brüdern Rahman, welche sich nicht einig waren, wer der wahre Herrscher über das Sultanat Johor war, konnten Verträge für eine Handelsniederlassung ausgehandelt werden. Das erzürnte wiederum die Niederländer, die zu der Zeit Malaysia unter ihrer Kontrolle hatten. Doch auch hier erwies sich Raffles als gewiefter Stratege und konnte sich nach diversen Verhandlungsrunden mit den Niederländern einigen. Bevor er wenige Wochen später Singapur wieder verließ, erklärte er Singapur zu einem freien Hafen ohne Handelssteuer. Zu diesem Zeitpunkt soll die gesamte Insel nur 150 Einwohner gehabt haben. Des Weiteren hatte Raffles vor seiner Abreise diverse Pläne für den Aufbau von Siedlungen und Infrastruktur ausgearbeitet und hinterlassen. Von der Insel Java wurden Tausende Arbeiter für die Verwirklichung dieser Pläne nach Singapur verschifft. 1824 kaufte das British Empire dem Sultan von Johor die gesamte Insel Singapur für 60.000 Dollar und eine Jahresrente von 24.000 Dollar ab. Noch im selben Jahr wuchs die Einwohnerzahl auf über 10.000 und man einigte sich mit den Niederländern über eine feste Aufteilung der Gebiete. Die Briten erhielten den Norden Malaysias sowie die Insel Java, die Niederländer die Insel Sumatra und den mittleren- und südlichen Teil Malaysias.

In den kommenden Jahrzehnten wuchs Singapur immer weiter und wurde in Asien zu einem der wichtigsten Handelspunkte, fast alle Rohstoffe betreffend. Vom Ersten Weltkrieg blieb Singapur weitestgehend verschont. Im Zweiten Weltkrieg spielte es allerdings eine wichtige Rolle. Die Insel wurde bis zum Fall als unbezwingbare Festung angesehen. Außerdem war Sie der erste gemeinsame Dreh- und Angelpunkt des alliierten Kommandos (bestehend aus britischen, indischen und australischen Soldaten). Im Dezember griffen die Japaner, aus dem von ihnen kontrollierten Malaysia, Singapur an. Es folgten erbitterte Kämpfe, die schließlich die taktisch und in der Luft überlegenen Japaner gewannen. Am 15. Februar 1942 kapitulierten die Alliierten. Die Besatzung hielt 3 Jahre an. Am 12. September 1945 wurde Singapur wieder eine Kolonie der Briten. Die Stimmung in der Bevölkerung war jedoch sehr angeschlagen, da es den britischen Truppen misslungen war, ihre Heimat im Krieg zu verteidigen. Die Stadt war nahezu komplett zerstört. Infrastruktur, Strom- sowie die Wasserversorgung und der Hafen wurden in den kommenden Jahren nur sehr mühsam und langsam wieder aufgebaut. Erst mit der wiederkehrenden internationalen Nachfrage, in Singapur handeln zu können, stieg die Bedeutung Singapurs wieder an und es wurde deutlich mehr für den Wiederaufbau getan.

Im März 1948 wurden die ersten Wahlen veranstaltet, an denen jedoch nur Briten teilnehmen durften. Die Regierung teilte der neu gegründeten Singapore Progressive Party (SPP) 3 Sitze zu. Diese arbeitete von Tag eins auf die Unabhängigkeit Singapurs hin. Bei den nächsten Wahlen 1951 konnte man weitere 6 Sitze hinzugewinnen. 1953 veranlasste eine britische Kommission, Singapur solle seine eigene Führung übernehmen. Lediglich 7 der 32 Sitze im Parlament sollten die Briten nach eigenem Willen vergeben und die Kontrolle über Sicherheit und externe Angelegenheiten behalten. Außerdem behielt man sich ein Vetorecht vor. Im Februar 1955 wurden die ersten allgemeinen Wahlen mit knapp 300.000 abgegebenen Stimmen abgehalten. Die vorher starke SPP kam nur auf 4 Sitze. Stärkste Kraft wurde die linksorientierte Labour Front mit 10 Sitzen. Koalitionspartner wurde die People’s Action Party (PAP), sie hatte 3 Sitze. 1956 versuchte die Regierung in London die Unabhängigkeit Singapurs zu verhandeln, scheiterte jedoch, da man auf britischer Seite eine zu große Gefahr darin sah, dass der Kommunismus zu starke Einflüsse auf Singapur haben könnte. Im Mai 1959 wurden schließlich die ersten Wahlen abgehalten, bei denen alle – nun 51 – Sitze durch die Stimmenabgaben der Bevölkerung vergeben wurden. Lediglich die Sicherheit und externen Angelegenheiten lagen weiterhin in britischer Hand. Bei der Wahl gewann die PAP 43 der 51 Sitze. Viele Geschäftsleute und Firmen kündigten daraufhin ihren Abgang nach Kuala Lumpur an, da ihnen die zu pro-kommunistische Haltung vieler Parteimitglieder der PAP nicht gefiel. Die PAP setzte mit einem strengen Programm alles daran, die immer noch herrschenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Erfolgreich, wie sich bereits schon nach wenigen Monaten herauskristallisierte. Trotz des Erfolges war die Bevölkerung zunehmend davon überzeugt, dass die Zukunft Singapurs im Zusammenschluss mit Malaysia liegen würde. Nach dem Ersten und einzigen Referendum Singapurs stimmte die Bevölkerung mit 73% für den Zusammenschluss mit Malaysia. Daraufhin entstand die Federation of Malaysia. Singapur behielt lediglich eine Unabhängigkeit in puncto Fragen zu Arbeit und Bildung, außerdem führten sie ihre 4 Hauptsprachen weiter. Im August 1963 erklärte man seine Unabhängigkeit gegenüber den Briten.

Aufgrund von immer wiederkehrenden Spannungen zwischen Singapur-Chinesen und Malaysiern, sowie Versuchen vonseiten Indonesiens die Stimmung im Land weiter anzuheizen, beschloss das malaysische Parlament am 9. August 1965 in Einstimmigkeit Singapur aus der Federation of Malaysia auszuschließen. Am selben Tag erklärte Lee Kuan Yew (Führer der PAP und (erster) Premierminister Singapurs, 1959-1990) die Unabhängigkeit Singapurs. Seitdem ist der 9. August der Nationalfeiertag Singapurs. Aufgrund der plötzlichen Unabhängigkeit, den Problemen im Land und Konflikten mit Indonesien, suchte man schnell als Stadtstaat internationale Anerkennung und wurde am 21. September 1965 Mitglied der Vereinten Nationen, im Oktober Mitglied im Commonwealth. In den kommenden Jahrzehnten war die Regierung damit beschäftigt die sozialen Missstände zu beheben, die Wohnungsnotstände zu bekämpfen und die Wirtschaft wieder aufzubauen. Ab den 1980er Jahren bis 1999 stieg das Wachstum jährlich um durchschnittlich 9%. Die Arbeitslosenquote fiel auf 3%. 1981 wurde der Changi Airport eröffnet und Singapore Airlines gegründet. Heute ist der Flughafen einer der wichtigsten Drehkreuze der Welt und Singapore Airlines gehört zu den besten High Class Airlines der Welt. Der Hafen machte 2014 weltweit den drittgrößten Umsatz. Außerdem zählt Singapur neben Südkorea, Taiwan und der Sonderverwaltungszone Hongkong zu den vier sogenannten Tigerstaaten. Der Begriff steht für sich wirtschaftlich schnell entwickelnde Staaten. In den 1980er wurde der Begriff geprägt, als die Vier durch sehr hohes wirtschaftliches Wachstum von Entwicklungsländern und Industrienationen aufstiegen. Singapur entwickelt sich, schneller als viele andere asiatische Nationen, stätig weiter und strebt in der Zukunft eine noch bedeutendere Rolle in der Welt an.

Aufenthalt in Singapur

Nach meiner Ankunft am Flughafen ging es problemlos durch die Sicherheits- und Passkontrolle. 90 Tage kann man sich als Deutscher in Singapur aufhalten ohne extra ein Visa zu beantragen oder etwas zu bezahlen. Dies gilt allerdings nur für touristische Zwecke. Für alle anderen Tätigkeiten ist ein Visa erforderlich.

Vom Flughafen ging es für 2,40 Singapur-Dollar (1S$ = ca. 0,67€¹) ins Stadtzentrum zum Raffles Place. Benannt nach dem Gründer des modernen Singapurs, Sir Thomas Stamford Raffles. Nachdem der Weg über diverse Rolltreppen als Tageslicht gefunden wurde, war ich umringt von Hochhäusern, so hoch, das der Kopf sehr weit in den Nacken gelegt werden musste, um das Ende der Gebäude zu sehen. Sehr beeindruckend, vor allem die Dichte, in der sich Wolkenkratzer an Wolkenkratzer reiht. Zu Fuß ging es dann erst einmal zur Unterkunft. Für umgerechnet 25€/pro Nacht gab es ein Bett im 4er-Schlafsaal. Leider war keine günstigere Unterkunft aufzutreiben. Dafür lag es nur 5 min vom besagten Raffles Place entfernt, der mehr oder weniger den zentralsten Punkt des Landes darstellt. Nach einer kurzen Einweisung durch eine Mitarbeiterin des Hostels, was erlaubt und was nicht erlaubt sei, ging es aufs Zimmer. Die nächsten fünf Nächte teilte ich mir das Zimmer mit zwei Asiaten, die außer einem „Hello“ kein einziges Wort sagten und non-stop vor ihrem Laptop saßen, egal wann ich im Zimmer war. Der Vierte im Bunde, ein sehr witziger und aufgeschlossener Norweger, der einen Tag vor mir aus Istanbul angereist war. Leider besaß er auch die Fähigkeit während der nächtlichen Erholung mit Mund und Nase eine Art von Geräuschen zu produzieren, wie ich sie zuvor noch nie gehört hatte, vor allem in der Lautstärke! Keine Gegenmaßnahme wollte Wirkung zeigen. Selbst die sonst so verlässlichen Ohropax waren nutzlos.

Nichtsdestotrotz wurde Singapur die folgenden Tage ausführlich besichtigt und unter die Lupe genommen. Vor allem der Gardens by the Bay, eine 101 Hektar große Parkanlage, die ausschließlich (!) auf künstlich aufgeschüttetem Land gebaut wurde, war derart beeindruckend, dass es sich kaum in Worte fassen lässt. Leider sind fast alle Fotos aus Singapur durch einen Defekt der Speicherkarte verloren gegangen und aus diesem riesigen District ist nicht ein einziges erhalten geblieben. Grund genug um irgendwann noch einmal einen 1-2 tägiges Stopover zu machen. Im Gardens by the Bay ist unter anderem der botanische Garten, ein riesiger Orchideen Garten, sowie der Cloud Forest. Zwei 0,8 Hektar große Gebäude, die mit Glas überspannt sind. Dort wird die Vegetationszone der Tropen in einer Höhe von 1.000-1.300 Metern nachgestellt. Einfach irre!

Des Weiteren besuchte ich das berühmte Marina Bay Sands Hotel, dessen Dach vom weiten wie ein Surfbrett aussieht. Die 10 S$ Eintritt, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen, waren gut investiert. So blickte man auf der einen Seite auf die Skyline und auf der anderen Seite auf den Gardens by the Bay und das dahinter liegende Meer. Dazu ein fast wolkenfreier Himmel, was zusätzlich eine weite Sicht ermöglichte.

Die letzten beiden Tage nutze ich um das ein oder andere Stadion zu besichtigen und um Länderpunkt 18 einzutüten. Ein denkwürdiges Spiel am letzten Spieltag der Singapur-League. Genaueres im Spielbericht. Wäre da nicht der Defekt der Speicherkarte und der norwegische Meister im Schnarchen gewesen, wäre hier vor einem makellosen Aufenthalt die Rede gewesen. Zum Flughafen ging es wieder per Zug, Passkontrolle und Check-in erfolgten erneut problemlos. Nächster Halt: Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens.

Übrigens, so teuer, wie ich es aufgrund diverser Erzählungen und Berichte in Singapur vermutet hatte, war es im Endeffekt nicht. Wenn man sich etwas Mühe gibt, kann man auch hier günstig Essen, einkaufen etc. Alles eine Frage der Zeit und Geduld, die man hat und mitbringt, um geeignete Lokale etc. zu suchen.

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