Länderpunkt 15 – Laos

Gesamt 15/211
Asien 1/46

17.10.2015
First Lao Youth League
Savannakéth FC 3:1 Khammouan FC
Zuschauer: ca. 50 (Savannakhet-Provinzialstadion)

Tja, so kann es kommen. Da landet man in Laos um Pattaya zu entfliehen und schon macht man den nächsten Länderpunkt. Gut das Mukdahan so nah an der Grenze zu Laos liegt und man entweder mit der Fähre oder dem Bus über den Mekong nach Laos gelangen kann. Vom Busbahnhof in Mukdahan fährt 7 mal täglich ein Bus nach Savannakéth. 1 Stunde dauert das Prozedere, wovon man sich 40 min an der Grenze aufhält. Dank der spontanen Aktion war ich doch reichlich überrascht, als 40$ für das Visum verlangt wurden. In bar solle ich doch bitte zahlen. Glücklicherweise hatte ich das Geld gerade noch so passend dabei. Später habe ich übrigens erfahren, dass das Visum eigentlich 30$ kostet – die Penner! Das passiert mir kein zweites Mal. Sobald man durch die zwei Schleusen durch ist, sind es nur noch 10min Busfahrt und man ist mitten im Zentrum der kleinen Grenzstadt. Wie üblich, wenn man irgendwo mit dem Bus ankommt, stürmt eine Meute von Tuk Tuk-und Taxifahrer auf einen zu. Jeder hat natürlich den besten Preis und ist „the best driver in town“. Glücklicherweise lernte ich im Bus jemanden kennen, der gut englisch konnte und mir sowohl eine günstige Tuk Tuk-Fahrt, als auch eine ebenfalls günstige Backpacker-Unterkunft organisieren konnte. Im Hostel selbst stand nur ein Telefon an der Rezeption, mit dem Hinweis „Please call 1“. Gesagt getan und so wurde mir am anderen Ende der Leitung mitgeteilt, ich solle mir einen Schlüssel nehmen und ein Zimmer aussuchen. Am Abend sei jemand da, dann könnte ich bezahlen. Interessante Variante seine Zimmer zu vermieten! Ein Roller gab es für 7$/pro Tag dazu.

Um einmal kurz zu erklären, wie das mit dem Roller dort und in weiten Teilen Asiens so abläuft:

Führerschein? Interessiert keinen.

Helm? Interessiert keinen.

Geschwindigkeit einhalten? Interessiert keinen.

Ampeln? Interessiert keinen.

Zebrastreifen? Interessiert keinen. Sind wohl nur zur Deko auf den Straßen.

Maximal ein Beifahrer? 4 Leute gehen auch, kein Problem. Hühner im Käfig, 2 große Gasflaschen, 3 Bierbänke, 5 Fahrräder, auch kein Problem.

Leute gehen über die Straße? Anhupen und noch mal extra Gas geben.

Der Roller hat eine Geschwindigkeitsbegrenzung? Naja, wie man es sieht. Ich konnte meinen bis 120km/h ausreizen… Auch in der Stadt eine Geschwindigkeit die bei etwas Platz gerne mal gefahren wird.

Ihr seht, hier drüben tickt die Welt etwas anders. In Savannakéth ist der Verkehr zudem noch sehr harmlos. 2 Stunden Rushhour mit dem Roller in Bangkok sind ein ultimatives Erlebnis, aber das gehört hier nicht her. An anderer Stelle dazu mehr.

Nach dem kleinen Exkurs das Verkehrsleben von Laos, nun weiter im Text. Nachdem ich das Hostel bezogen hatte, wurde kurz recherchiert was die kleine Stadt denn so zu bieten hat. Wie in jeder Stadt wäre der Besuch des Marktes – hier direkt am Mekong liegend – sehenswert, sowie eine Tempelanlage, ein Dinosaurier-Museum (ja, in Savannakéth haben mal Dinosaurier gelebt und man ist dort sehr stolz darauf, wie ich Museum gelernt habe) und das Stadion. Ich entschied mich dafür, am Abend den Markt aufzusuchen. Der Hauptgrund hierfür war mein Hunger. Keine 1000 Meter von meiner Unterkunft entfernt lag der Markt. Dort angekommen musste ich feststellen, das ordentlich, was los war. Ein sich ewig in die Breite ziehender Jahrmarkt lud ein, sein Geld an diversen Schießständen, für Essen, ein Mini-Riesenrad oder beim Glücksspiel auszugeben. Nachdem ich mich für 20.000 Kip (ca. 2,25€) durch so ziemlich jeden Marktstand ge(fr)gessen hatte, schaute ich mir das Glücksspiel etwas näher an. Besonders beliebt ist eine Art Roulette. Die Zahlen werden hier durch Symbole ersetzt und nach dem alle gesetzt haben, wird an einer Schur gezogen und 3 XXL-Würfel lösen sich aus einer Halterung und fallen in eine Box. Entsprechende Kombinationen gewinnen dann. Ich hatte noch weitere 20.000 Kip und legte diese auf einen Buddha. Was soll  hier denn mehr Glück bringen? Als ich den Schein auf den Buddha legte, gucken mich die anderen Spieler verwundert an und ich wurde gefragt, ob ich wirklich so viel setzen will. Wie ich dann lernte liegt der übliche Einsatz bei 1.000 Kip, was ca. 11 Cent entspricht. Ich bejahte und kurz darauf vielen die Würfel. Natürlich habe ich gewonnen und man überreichte mir 100.000 Kip. Okay, kleiner Spaß. Aber ein witziges Spiel! Danach ging es noch kurz zum Schießstand und ich konnte ein riesiges Plüschtier gewinnen, über das sich anschließend ein, nur halb so großes, Kind einen Loch in Bauch freute und die Mutter sich dafür 1000 mal bedankte. So leicht kann man Leute glücklich machen.

Am nächsten Tag, kurz ins Museum, den Tempel besucht und dann ging es zum Stadion. Ziemlich heruntergekommen, liegt es relativ zentral an einer der zwei großen Hauptstraßen von Savannakéth. Die Tore standen alle offen und so zögerte ich nicht lange und ging geradewegs ins Stadioninnere. Es bot sich mir ein ziemlich heruntergekommenes Stadion. Nicht unmittelbar weit weg von mir, waren 2 Männer dabei die Löcher in der Laufbahn mit einer merkwürdigen Flüssigkeit zu stopfen. Nach kurzer Nachfrage, ob sie was dagegen hätten, wenn ich hier ein bisschen rumlaufe, antwortete einer der beiden im gebrochenen Englisch, das es jetzt kein Problem sei, ich nachher allerdings auf die Tribüne müsse, da ein Spiel stattfinden würde. Ich traute meinen Ohren nicht und fragte, schon halb am jubeln, noch einmal nach, ob wirklich heute ein Spiel stattfinden würde. Nachdem er mir erklärte, dass heute die First Lao Youth League ihre Saisoneröffnung hätte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Er muss mich für ziemlich bescheuert gehalten haben, denn er sieht sicherlich nicht alle Tage einen Europäer, der vollkommen ausrastet vor Freude, wenn er ihm erzählt das zwei Jugendmannschaften von Vereinen aus der Provinz gegeneinander spielen.

Ich machte meine Fotos, fuhr mit dem Roller noch einmal kurz weg um mich zu stärken und machte mich dann direkt wieder auf dem Weg zum Stadion. Der Eintritt war frei und Tickets gab es leider keine. Der einzige Makel des Tages. Zunächst nahm ich auf der Tribüne platz und gesellte mich somit zu ca. 50 weiteren Zuschauern. Ca. 70% davon waren junge Mädchen, was sich während des Spiels besonders durch die Geräuschkulisse bemerkbar machte. Auf der Suche nach einer Toilette, landete ich schließlich am Spielfeld rand. Nachdem ein wenig rumgefuchtel mit den Händen, hatte ich jemanden vor mir, der sehr gutes Englisch sprach und mich prompt einlud das Spiel doch mit ihm am Spielfeld rand zu verfolgen. Ein weiterer Stuhl war schnell organisiert und man bot mir zusätzlich noch Essen und Trinken an, mit den Worten „Take it, take it, for free, for free“. Was für nette, sympatische Leute! Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass das Spiel schon 10 min laufen sollte. Auf Nachfrage, warum es denn noch nicht losginge, zeigte mein Gastgeber ans andere Ende des Spielfeldes und meinte, „Siehst du den Typen da? Der muss den Rasen noch fertig mähen.“. Ich konnte nicht mehr vor Lachen. 20 min nach dem eigentlichen Anpfiff kamen die Spieler aufs Feld. Los ging es leider noch nicht. Es folgten weitere 20 min, in denen irgendetwas erzählt wurde. Es gab viel Applaus, mehr kann ich dazu nicht sagen. Danach ging es endlich los. Bereits nach 10 Sekunden war mir klar das auf DEM „Rasen“ sicherlich kein gutes Spiel zustande kommen würde. Ich sollte recht behalten. Ein guter Rasen hätte das Spiel aber auch nicht viel besser gemacht. Lieber Trainer der Nationalmannschaft von Laos, ich hoffe sehr für Dich, dass nicht alle anderen Teams der ersten Jugendliga solchen Fußball spielen. Wenn die beste Eigenschaft dieser Spieler ist, das der Spieler geradeaus zu laufen, sollte klar sein, welch Qualitätsfußball sich mir hier bot. Das war mir allerdings ziemlich egal, da ich schnell die Augen vom Spielfeld abwendete und dem Typen mit dem Mikro in der Hand, keine 20m weg von mir, anstarte. Er kommentierte das Spiel! Auch wenn ich kein Wort verstanden habe, war es einfach nur geil zu sehen mit welcher, Leidenschaft er diesen Grottenkick kommentierte. Hallo Marcel Reif? So kommentiert man!

Nach 20 min, ging Savannakéth in Führung, irgendwie schaffte man es den Ball ins Tor zu stolpern. Die Tribüne tobte und der Torschütze ließ sich von der kreischenden Meute gebührend feiern. 1:0 war auch der Pausenstand. Der Trainer vom Khammouan FC wird sicherlich alles andere als lobende Worte gefunden haben, bei 0 Torschüssen und maximal 20% Ballbesitz. Welche Worte er am Ende auch gewählt haben mag, sie haben gewirkt, denn in der 47 min viel völlig überraschend der Ausgleich. Wäre ich der Schiedsrichter gewesen, hätte ich „Rasen“ als Torschützen notiert. Der Schuss aus gut 20 Meter, der flach aufs Tor gekommen wäre, schoss, dank einer Kuhle im Rasen direkt in den Winkel. Ich lag lachend auf dem Boden, die Leute um mich herum lachten wohl mehr über mich, als über das Tor, mir war’s egal. Beschwert wurde sich über das Tor übrigens nicht, das scheint also öfter zu passieren. Direkt nach Wiederanpfiff folgte jedoch schon das 2:1, was eindeutig zu viel für den Live-Kommentator war. Er sprang auf und brüllte in sein Mirko. Auch wenn ich nix verstanden hab, eine leichte Freude über das Tor war doch zu erkennen.

Zur Erinnerung: Laos, Savannakéth, 1. Jugendliga, 2 Teams, die kein Fußball spielen können und ein Kommentator, der so sehr ausrastet, als ob Laos gerade die Weltmeisterschaft im Finale gegen Deutschland gewonnen hat.

Nach dieser stürmischen Anfangsphase beruhigte sich die allgemeine Situation wieder, bis in der 82 min die Entscheidung fiel. Das 3:1 und der wohl einzige Angriff, der als Spielzug bezeichnet werden darf. Die letzten Minuten verliefen ebenfalls ereignislos und so ging es nach dem Spiel kurz zurück ins Hostel, auschecken. Der Roller wurde zurückgebracht und es ging wieder per Bus über die Grenze nach Mukdahan, wo ich direkt in den nächsten Bus zurück nach Pattaya stieg. 18 Stunden Busfahrt vor mir.

Danke Laos, danke Savannakéth, für diese unglaubliche Tour!

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