Länderpunkt 14 – Griechenland

Gesamt 14/211
Europa 14/55

04.10.2015
Super League
AEK Athen 1:0 Atromitos Athen
Zuschauer: ca. 25.000 (Olympiastadion Athen)

Etwas verspätet, aber er darf nicht fehlen. Der Bericht zum Länderpunkt 14 – Griechenland.

Nachdem der erste Versuch in Thessaloniki gescheitert war, das Spiel PAOK Saloniki gegen die Borussia aus Dortmund zu sehen, musste das schon in Deutschland geplante Spiel unbedingt klappen. Denn wenn man schon mal soweit im Süden Europas ist, will man den Länderpunkt doch gerne eintüten. Ein erneuter Blick in den Online-Ticketstore von AEK Athen, ließ mich gut gelaunt in den Tag starten. Es waren noch mehr als ausreichend Karten zu haben! Nach einem reichlichem Frühstück stand zunächst noch ein Besuch der Akropolis, sowie des Marktes rund um die Metro-Haltestelle Thissio an. Letzterer ist ein kleiner wuseliger Stadtteil in der Nähe der Akropolis. Man verläuft sich dort relativ schnell in den kleinen Gassen und landet in einem kitschigem Laden nach dem anderen, wie bereits hier erwähnt. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, ich solle mich schleunigst auf dem Weg zur Akropolis machen. Ich entschied mich gegen den bequemen längeren Weg, mit dem Bus ganz nah an heranzufahren, sondern ging lieber durch den Park, vorbei an manchem Relikt aus der griechischen Antike und hinauf zur Zitadelle, welche sich jedoch im Laufe des demokratischen Wandels von einer Wehranlage zum Sitz der Götter entwickelte.

Für 12,- € bekommt man am Eingang des Parks ein Ticket mit 7 vorperforierten Stücken, welche nach und nach auf dem Weg ganz nach oben an Checkpoints abgerissen werden. Oben angekommen bot sich ein unglaublicher Ausblick über ganz Athen, sehr beeindruckend. Man kann sich kaum vorstellen, wie in der Antike der ganze Marmor nach dort oben gebracht und so exakt und genau verarbeitet wurde. Ein erneuter Blick auf die Uhr ließ mich erstarren. Nur noch 50 min bis zum Anpfiff! Die Zeit vergisst man bei der Aussicht doch leichter als gedacht. Also schnell erkundigt wo der nächste Taxistand ist und nix wie runter den Berg. Trotz meines Durstes verzichtete ich dann auf eine Flasche Wasser 0,5l für schlappe 4,50€, die man auf dem Weg kaufen konnte. Bis zum Stadion konnte ich es dann doch noch aushalten. Am Taxistand angekommen, rief ich nur „Olympic Stadion, AEK Athen“, worauf der nächste Taxifahrer ankam und zu mir in sein Taxi steht. Er fuhr los und das Taxameter blieb aus. Nach einer 10 minütigen Diskussion schaltete er es dann an, um es nach einer hektischen Fahrt (mit 110km/h durch die Stadt!) kurz vor dem Stadion wieder auszuschalten und das Doppelte zu verlangen. Nachdem wir uns förmlich anbrüllten, ich auf Deutsch/Englisch und er auf Griechisch mit sehr gebrochenem Englisch, warf ich ihm 20,-€ hin und stieg aus. 20,-€ hatte das Taxameter angezeigt. Die letzten 100m scheinen nicht nur in Griechenland sehr teuer zu sein. Auch in Venedig, Rom und Paris sind mir Taxifahrer schon mit dieser Masche gekommen. Sollte das einem von Euch mal passieren, einfach die Summe geben die kurz vorher angezeigt wurde und gehen. Was will der Fahrer denn schon groß machen, die Polizei rufen? Man setzt halt auf den dummen Touri der immer schön bezahlt, aber nicht mit mir!

Am Stadion dann kurz gefragt, wo es noch Tickets gebe, natürlich auf der anderen Seite des Stadions – Klassiker. Ein kurzer Sprint und 5 min vor Anpfiff stand ich mit ein paar anderen Griechen am Schalter und musste entsetzt feststellen, das man nur bar zahlen konnte. Mein letztes Bargeld hatte ich jedoch eben noch dem Taxifahrer gegeben… Das dachte ich jedenfalls, doch hektischem Gewühle fand sich noch ein 10,-€ Schein im hintersten Winkel des Rucksacks und genau den brauchte ich für das billigste Ticket. Die Einlasskontrolle, die sich praktischerweise nur 200m vom Ticketschalter entfernt befand, war die einfachste die ich je erlebt hab. Einmal den Rucksack aufmachen, es wurde nicht mal richtig reingeguckt, das wars. Kein abtasten, kein ewiges durchsuchen des Rucksacks. Damit hatte ich nicht gerechnet. Am Block selbst gab es noch einmal eine Ticketkontrolle.

Wie sich herausstellte hatte ich eine Karte mitten im Gewühl der zwei, von den Fans dazu umfunktionierten, Stehblöcke gekauft. Diese waren im unteren Drittel nur vereinzelnd besetzt und wurden als Sitzplätze genutzt. Während ich runter zu den ersten Reihen ging, liefen die Mannschaften ein. Ein wenig Pyro, ein paar Böller und ein kurzer Schlachtgesang, dann versammelten sich die Spieler am Mittelkreis und es gab eine Schweigeminute – warum weiß ich bis heute nicht. Schön jedenfalls das man in Griechenland anscheinend wirklich mal 1min still sein kann. Deutschland hier kannst du mal was von den Griechen lernen!

Das Spiel begann ziemlich lahm und viel besser sollte es auch nicht werden. Nach kurzer Zeit hatte ich auch schon keine Augen mehr für das Spiel, sondern viel mehr für das, was um mich herum geschah. Im Graben, der das Spielfeld mit seiner Laufbahn drumherum von den Tribünen trennt, liefen ca. 20 kleine Kinder zum Block der Ultras. Die Ordner zeigten kurz den Zeigefinger, lachten und wandten sich wieder dem Spiel zu. Es schien auch keinen zu interessieren, dass reihenweise Leute in die teureren Blöcke zur Mitte des Stadions quasi pilgerten, um eine bessere Sicht zu haben. Nach kurzem überlegen schloss ich mich an und konnte so mit meiner Karte für 10,-€ im teuersten Bereich für 40,-€ platznehmen und hatte so alles um mich herum bestens im Blick. Mit 0:0 ging es kurz danach schon in die Pause. Zum Spiel bleibt bis hierhin nur zu sagen, das der Schiedsrichter bei den Anhängern von AEK nicht sonderlich beliebt zu sein scheint, verständlicherweise. Jedes auch noch so kleine Einsteigen wurde mit einem Freistoß für in blau-weiß spielenden Spieler von Atromitos bedacht. Daraus Profit schlagen konnten sie allerdings nicht, nicht einen Torschuss hab ich bis dato wahrgenommen. Gästefans die einen Torschuss hätten feiern können, waren nicht anwesend. Das war auch besser für sie, denn besser wurde es nicht – zumindest für ihr Team.

Mit Beginn der zweiten Hälfte kam dann endlich ein wenig Schwung in die Partie und AEK hatte eine Großchance nach der anderen, das tat auch der Stimmung entsprechend gut und so konnte phasenweise eine recht stabile Lautstärke von den ca. 25.000 Anwesenden erreicht werden. Die Akustik des Olympiastadions  trug aber sicherlich ihren Teil dazu bei. In der 80min gab es bei AEK noch einmal einen Wechsel. Wer das war, der da eingewechselt wurde wusste ich nicht, da während des gesamten Spiels nicht eine einzige Durchsage des Stadionsprechers kam. Mir viel nur die Rückennummer auf, 99. Und keine zwei Minuten später hatte sie schon ihren großen Auftritt. Freistoß von linker Position, ca. 20m vom Tor entfernt, köpfte er den Ball mehr oder weniger gewollt ins Tor. Die Tribüne explodierte förmlich und sekunden später war das halbe Stadion in gelben Rauch gehüllt und ein Böller nach dem anderen wurde gezündet. Als auf der Anzeige dann zu sehen war, wer die Zuschauer vom öden 0:0 erlöst hatte, schossen mir die Tränen in die Augen vor lachen. Das Gesicht der 99 gehört keinem anderen als Marculey Christanus. Vor Jahren wurde er einmal als „das Jahrhunderttalent“ zum HSV geholt, angeblich war wieder einmal ganz Europa hinter ihm her. Und aufgrund seinen großen Talents wurde er sofort in die zweite Mannschaft abgeschoben… Über diverse Umwege ist er dann in Athen gelandet. Für das Tor ließ er sich ausgiebig feiern und wenige Minuten später pfiff der Schiedsrichter ab. Dank des besonderen Torschützen wird mir dieser Länderpunkt wohl immer in Erinnerung bleiben.

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