Weltwunder Städte 1/7 – Kuala Lumpur

Malaysia: UN-Mitgliedsstaat 33/193

Das seit 1963 unabhängige Malaysia, liegt in Südostasien, grenzt an Thailand im Norden, Singapur im Süden und auf der Halbinsel Borneo an Brunei Darussalam. Das Staatsgebiet endstand aus diversen Gebieten, die sich im Ursprung aus Teilen des British Empire zusammensetzten. Das Parlament Malaysias setzt sich nach britischem Vorbild aus Ober- und Unterhaus zusammen. Auch sprachlich wirkt die britische Besatzung bis heute nach. So ist für viele Malaysier neben ihrer Landesprache (Malaysisch), Englisch die Zweitsprache. Das ist mir euch deutlich, wie sonst in keinem anderen asiatischen Land, welches ich bisher bereist habe, bei der Verständigung aufgefallen. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich jedoch ein doch sehr spezieller Dialekt entwickelt, der als Manglish bezeichnet wird. Viele Malaysier sind allerdings bemüht möglichst britisches Englisch zu sprechen, allen voran die Jugendlichen.

Für die rasende Entwicklung Malaysias steht vor allem eine Stadt: Kuala Lumpur.
Die Metropole, mit knapp 8 Mio. Einwohnern, kann auch als riesige Baustelle angesehen werden. Wolkenkratzer werden im Rekordtempo überall aus dem Boden gestampft, Hunderte Millionen in den Ausbau der Infrastruktur gepumpt. Locals, mit denen ich gesprochen habe, freuen sich zwar sehr über die Entwicklung und Investitionen, fügten jedoch hinzu, dass sie sich Wohnungen dieser Art wohl niemals werden leisten können. Nichtsdestotrotz darf man gespannt sein, wie sich die Metropole und Malaysia insgesamt weiterentwickeln. Aufgrund dessen, dass das Land reich an Bodenschätzen (Zinn, Kautschuk, Palmöl, Erdöl) ist, hat seit 1990 eine rasante industrielle Entwicklung eingesetzt. So wird Malaysia mittlerweile als aufstrebendes Schwellenland gewertet, ist Mitglied der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen – gegründet um die politische, wirtschaftliche, sowie die soziale Zusammenarbeit zu verbessern) und der G15 (Bestehst aus aufstrebenden Entwicklungsländern und hat sich zum Ziel gesetzt, im Austausch mehr Wohlstand und Wachstum zu erlangen).

Im Grunde gab es nur zwei Gründe, Kuala Lumpur in meine Südostasien-Route einzubauen, die auf den ersten Blick doch sehr banal klingen. Zum einen wollte ich die berühmten Petronas Towers aus nächster Nähe betrachten, zum anderen darf sich Kuala Lumpur seit 2014 zu einer der 7 Weltwunder Städte zählen. In einem aufwendigen Verfahren wurden von 2000-2014 die sieben Städte ermittelt. Neben Kuala Lumpur tragen nun auch La Paz, Havanna, Doha, Durban, Beirut und Vigan diesen ehrwürdigen Titel.

Nach meiner Ankunft am Flughafen ging es mit dem Zug in die City. Wie ich später erfuhr, gibt es auch Busse, die in die Stadt fahren. Der Weg zu diesen ist natürlich „rein zufällig“ für nicht Ortskundige so gut wie nicht zu finden. Außerdem muss der ebenfalls gut versteckte Schalter, an dem Tickets für die Fahrt erworben werden können, auch erst einmal gefunden werden. Tickets für den Zug, werden einem gleich an den Gepäckbändern verkauft. Zugegeben, die Zugfahrt war schon deutlich schneller und vor allem bequemer, aber dafür hat sich auch das 5-fache gekostet. Und der klassische Low Budget-Traveller hat ja bekanntlich kein Geld und (fast) immer ausreichend Zeit um langwierige Touren auf sich zu nehmen. An der Central Station angekommen, ging es für 1 Ringgit (ca. 22 Cent) mit der Metro in Richtung Chinatown. Dort sollte mein Hostel sein, welches ich bereits in Deutschland gebucht hatte. Bei meiner Ankunft musste ich feststellen, dass der Zustand doch alles unterbot, was ich bisher gesehen hatte. Kurzerhand ging ich wieder aus dem Schlafsaal, zur Rezeption und teilte dem, auf seinen Fernseher glotzenden, Inder mit, das ich doch lieber wo anders schlafen wollen würde. Ohne ein Wort zu sagen, gab er mir mein Geld wieder, stecke den Schüssel weg und ich verabschiedete mich. Ein sympathischer Mann. Ich versuchte es anschließend ein Hostel weiter. Die Zimmer waren ein wenig besser und hatten immerhin eine Klimaanlage. Bei Temperaturen um die 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit um die 60-80% (für mich) ein Muss. Das wissen die Besitzer der Hostels natürlich und beanschlagen gerne mal 100% auf den eigentlichen Zimmerpreis. Das war mir in diesem Fall egal und ich buchte zunächst eine Nacht. Abends ging es auf den Night Market, der direkt vor der Haustür war. Auch die malaiische Küche wusste durchaus zu überzeugen. Sie ist überaus vielfältig und hat ein besonders großes Angebot an unterschiedlichen vegetarischen und veganen Gerichten. Fleisch ist der Malaie zum Glück auch, am liebsten in Form von Satay – gespießtes Fleisch, sprich Hühnchen, Rind, Ziege und Lamm. Hin und wieder auch mit Fisch zu finden. Selbstverständlich frisch vor der Nase zubereitet und spottbillig. Für 2-5€ gibt es Spieße satt. Dazu Reis, Gemüse, verschiedene Dips + Wasser so viel man will. Ein Paradies für jeden Feinschmecker und Freund der asiatischen Küche. Hervorheben möchte ich noch den Snack namens Otak-otak. Gegrillte Bananenblätter, gefüllt mit kleinen Fischbällchen. Bei der Zubereitung wird Fischpaste mit einer ganzen Reihe von Zutaten (Knoblauch, Ei, Schalotten und um die 20 Gewürze) vermengt, in die Bananenblätter gewickelt und dann gegrillt. In zwei Worten zusammengefasst: geiler Scheiß!

Nachdem reichlich von diesen Köstlichkeiten konsumiert wurde, ging es zurück ins Hostel, schlafen. Am nächsten Morgen konnte ich ein top Angebot für ein Hotel ausmachen, welches dank der Preisreduzierung genauso viel kosten sollte, wie mein Hostel. In Anbetracht dessen, dass das Wetter die restlichen Tage in Kuala Lumpur die absolute Katastrophe sein sollte, bin ich noch heute sehr glücklich in diesem Hotel gewesen zu sein. Im zentral gelegenen Hotel angekommen, ging es nach dem Check-in weiter die Innenstadt erkunden. Nicht weit von Chinatown befindet sich das indische Viertel. Auf dem dortigen Markt konnte wirklich alles erworben werden, was man in seinen vier Wänden braucht bzw. eher das, was man nicht braucht. Ein wunderbarer Ort um Geld aus dem Fenster zu werfen. Natürlich sind alle Produkte nur Originale, wie auch der Preis, den man natürlich verhandelt, klar macht. Einen Hugo Boss Anzug gibt es zum Beispiel für ca. 60€. Das wirklich Witzige ist, man sieht den Verkäufern an, das sie genau wissen was sie für einen Müll verkaufen und die ein Großteil der Besucher des Marktes weiß ebenfalls, dass die „Anzüge“ höchstens als sehr teure Putzlappen zu gebrauchen sind. Das macht aber alles nichts, denn wenn die 50 Mann starke chinesische Reisegruppe, mit rotem T-Shirt, Strohhut und Reiseführer mit Fahne anrückt, wissen die Verkäufer, ihre Stunde hat geschlagen. Dieses Schauspiel lässt sich nicht wirklich in Worte fassen. Ich bin äußerst dankbar, diesem denkwürdigen Ereignis beigewohnt zu haben. Am Abend folgte dann der erste Besuch der Petronas Towers. Einfach gigantisch wie sich die beiden Türme, samt Brücke vor einem erheben und gefühlte 1000 Meter in den Himmel empor ragen. In Wirklichkeit sind es immerhin stolze 452 m, was Platz 8 auf der Liste der höchsten Gebäude der Welt macht.

Unnützes Wissen am Rande:
Es gibt nur zwei Gebäude in Europa, welche in der Liste Top 50 – die höchsten Gebäude der Welt steht. Diese sind der OKO -South Tower, sowie der Mercury City Tower. Beide stehen in Moskau. Alle anderen Gebäude stehen in der Volksrepublik China (19) , den Vereinigten Arabischen Emiraten (14), den USA (8), Taiwan, Saudi-Arabien (je 2), sowie Kuwait und Vietnam (je 1). Das höchste Gebäude der Welt ist aktuell der Burj Khalifa. Er ist 826 m hoch und steht in Dubai, VAE.

Zurück zu den Türmen. Neben Hunderten Büros in 86 Stockwerken sind im unteren Bereich mehrere riesige Shopping Malls, ein Museum und ein Theater mit fast 1000 Plätzen vorhanden. Ziemlich beeindruckend. Auf die Brücke und nach oben habe ich es nicht geschafft. Wie ich erfuhr, sollte der Spaß 50€ kosten und man solle am besten schon Stunden vor Öffnung eintreffen, um ein Ticket zu ergattern. Dieses ist dann irgendwann im Laufe des Tages zu einer festgelegten Uhrzeit einzulösen. Auf der Brücke hat man dann gerade mal 10 min und auf der Aussichtsplattform weitere 10 min Zeit, um die sicherlich besonderen Eindrücke festzuhalten.  Am nächsten Morgen war ich um 7 Uhr da. Die Schlange war jedoch schon so lang, dass ich entnervt beschloss, „so toll ist es bestimmt nicht…“ und mit einsetzendem Regen wieder zurück zum Hotel ging. Es war jedoch kein Regen, wie man ihn aus Europa kennt, sondern asiatischer Regen. Erstaunlich, wie viel Wasser auf einmal vom Himmel fallen kann, hab ich so nie zuvor gesehen. So ging es die nächsten Tage dann leider weiter. Hin und wieder leisteten Blitz und Donner den Wassermassen Gesellschaft, mehr Abwechslung hatte der Tag nicht. Unternehmungen jeglicher Art waren schlichtweg nicht möglich oder mussten gezwungenermaßen ausfallen. Lediglich zum Essen verließ ich das Hotel. Am Tag meiner Weiterreise, nach Singapur, zeigte sich das Wetter jedoch noch einmal von seiner besten Seite und so boten mir Sonne und ein fast komplett blauer Himmel einen traumhaften Ausblick über die Metropole, vom Menara KL Tower. Für die 360 Grad-Aussichtsplattform, auf 421 m Höhe, verlangte man stolze 150 MYR (ca. 35€). Wie auf den Bildern unschwer zu erkennen, wurde das Geld äußerst gut angelegt.

Fazit:
Da ich aufgrund des dauerhaft schlechten Wetters nur das indische Viertel, Chinatown, die Petronas Towers, den Menara KL Tower und ein wenig vom Stadtleben mitbekommen habe, will ich mir an dieser Stelle noch nicht erlauben, ein abschließendes Votum über die Stadt zu fällen. Auf meine ToDo-Liste für Kuala Lumpur stehen noch, teils sehr interessante, 10 Punkte, die ich vorher noch sehen will. Mehr dazu, wenn es soweit ist. Wirklich umgehauen hat mich die Stadt bisher nicht, aber das kann sich ja noch ändern. Vermissen tue ich lediglich die Otak-Otak und die Hähnchen-Satay im Erdnussmantel. KL, wir sehen uns sicher wieder!

Petronas Towers

Menara KL Tower

Im Zentrum von Kuala Lumpur

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